Begriffe verständlich erklärt
Klarheit in technischen Begriffen

Technische Kunststoffe unterscheiden sich in ihren Eigenschaften, Einsatzbereichen und mechanischen Anforderungen. Die folgenden Begriffe bieten einen kompakten Überblick über wichtige Kunststoffe, ihre typischen Anwendungen sowie relevante Materialeigenschaften und technische Kennwerte.

Amorpher Kunststoff

Amorphe Kunststoffe besitzen eine ungeordnete Molekülstruktur. Die Polymerketten liegen ohne klare Anordnung vor. Dadurch entstehen meist glatte Oberflächen, eine hohe Maßhaltigkeit und häufig transparente Materialien. Amorphe Kunststoffe erweichen bei steigender Temperatur schrittweise und lassen sich gut verarbeiten.

Teilkristalliner Kunststoff

Teilkristalline Kunststoffe besitzen sowohl ungeordnete als auch geordnete Molekülbereiche. Die teilweise kristalline Struktur sorgt für eine hohe Festigkeit, gute chemische Beständigkeit und hohe Belastbarkeit. Diese Kunststoffe sind meist opak und widerstandsfähiger gegenüber Verschleiß und Feuchtigkeit.

Hauptgruppen der Kunststoffe

Je nach molekularer Struktur und Verhalten bei Temperatur und Belastung werden Kunststoffe in drei Hauptgruppen unterteilt: Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere. Diese Einteilung bildet die Grundlage für das Verständnis ihrer Verarbeitung, ihres Einsatzbereichs und ihrer technischen Eigenschaften.

Thermoplaste sind Kunststoffe, die innerhalb eines bestimmten Temperaturbereichs plastisch verformbar werden. Dieser Vorgang ist reversibel, sodass das Material durch Abkühlen wieder erstarrt und bei erneuter Erwärmung erneut verformt werden kann – bis hin zum schmelzflüssigen Zustand. Erst bei zu hoher Temperatur kommt es zur thermischen Zersetzung, wodurch der Werkstoff seine Struktur dauerhaft verliert.

Duroplaste sind Kunststoffe, die nach ihrer Aushärtung dauerhaft formstabil bleiben. Im Gegensatz zu Thermoplasten lassen sie sich durch erneute Erwärmung nicht mehr verformen oder schmelzen. Ursache dafür ist die starke chemische Vernetzung ihrer Molekülstruktur. Duroplaste zeichnen sich durch hohe Härte, Temperaturbeständigkeit sowie gute chemische und mechanische Belastbarkeit aus und werden häufig in technischen und elektrischen Anwendungen eingesetzt.

Elastomere sind elastische Kunststoffe, die sich unter Belastung verformen und anschließend wieder in ihre ursprüngliche Form zurückkehren. Ihre Molekülstruktur ist weitmaschig vernetzt, wodurch das Material gummiartige Eigenschaften erhält. Elastomere zeichnen sich durch hohe Flexibilität, gute Dämpfungseigenschaften und Widerstandsfähigkeit gegenüber wiederholter Verformung aus. Sie werden unter anderem für Dichtungen, Reifen, Schläuche und technische Gummibauteile eingesetzt.

Thermische Eigenschaften

Thermische Eigenschaften beschreiben das Verhalten eines Kunststoffs bei Temperaturänderungen. Sie zeigen, wie ein Material auf Erwärmung oder Abkühlung reagiert und bis zu welchen Temperaturen es seine mechanischen Eigenschaften und Formstabilität beibehält. Diese Eigenschaften sind besonders wichtig für Anwendungen mit Wärmebelastung, Temperaturschwankungen oder hohen Prozessanforderungen.

Die Wärmeformbeständigkeit beschreibt die Temperatur, bis zu der ein Kunststoff unter mechanischer Belastung seine Form behält, ohne sich dauerhaft zu verformen. Mit steigender Temperatur verlieren Kunststoffe zunehmend an Festigkeit und Steifigkeit. Die Wärmeformbeständigkeit gibt daher an, bis zu welchem Temperaturbereich ein Bauteil zuverlässig eingesetzt werden kann. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig im Maschinenbau, Fahrzeugbau oder bei technischen Komponenten, die dauerhaft Wärme ausgesetzt sind.

Die Schmelztemperatur bezeichnet die Temperatur, bei der ein teilkristalliner Kunststoff vom festen in den schmelzflüssigen Zustand übergeht. Ab diesem Punkt verlieren die geordneten Molekülstrukturen ihre feste Form und das Material wird verarbeitbar. Die Schmelztemperatur ist ein wichtiger Kennwert für die Verarbeitung von Kunststoffen, beispielsweise beim Spritzguss oder Extrusionsverfahren. Amorphe Kunststoffe besitzen in der Regel keine klar definierte Schmelztemperatur, sondern erweichen schrittweise.

Die Glasübergangstemperatur beschreibt den Temperaturbereich, in dem ein Kunststoff von einem harten, glasartigen Zustand in einen weicheren und elastischeren Zustand übergeht. Unterhalb dieser Temperatur wirkt das Material meist hart und spröde, oberhalb wird es flexibler und verformbarer. Dieser Übergang beeinflusst maßgeblich das mechanische Verhalten eines Kunststoffs im praktischen Einsatz. Die Glasübergangstemperatur ist besonders relevant bei amorphen Kunststoffen.

Die thermische Zersetzung beschreibt den Temperaturbereich, ab dem die Molekülstruktur eines Kunststoffs dauerhaft beschädigt wird. Bei zu hoher Wärmeeinwirkung beginnen sich die Polymerketten chemisch zu verändern oder zu zerfallen. Dabei verliert das Material seine ursprünglichen Eigenschaften und kann verfärben, verspröden oder sich zersetzen. Die thermische Zersetzung stellt die maximale Temperaturgrenze eines Kunststoffs dar und ist wichtig für Verarbeitung, Sicherheit und Langzeitbeständigkeit.

Mechanische Eigenschaften

Mechanische Eigenschaften beschreiben das Verhalten eines Kunststoffs unter Belastung. Sie geben Auskunft darüber, wie widerstandsfähig, flexibel oder belastbar ein Material gegenüber Kräften, Druck, Verformung oder Stößen ist und spielen eine wichtige Rolle bei der Auswahl des geeigneten Werkstoffs.

Festigkeitswerte beschreiben, wie viel mechanische Belastung ein Kunststoff aushalten kann, bevor es zu einer dauerhaften Verformung oder zum Bruch kommt.

Zugfestigkeit
Die Zugfestigkeit beschreibt die maximale Kraft, die ein Kunststoff aushält, wenn er auseinandergezogen wird. Wird dieser Wert überschritten, reißt das Material. Sie ist besonders wichtig für tragende Bauteile oder Teile, die unter Spannung stehen.
Druckfestigkeit
Die Druckfestigkeit gibt an, wie stark ein Kunststoff gegen zusammendrückende Kräfte widersteht. Sie ist entscheidend bei Bauteilen, die Lasten aufnehmen oder gestützt werden, wie Lagerplatten oder Konstruktionselemente.
Biegefestigkeit
Die Biegefestigkeit beschreibt, wie gut ein Kunststoff einer Kombination aus Druck- und Zugbelastung bei Biegung standhält. Sie ist besonders wichtig für Profile, Platten und lange Bauteile.
Scherfestigkeit
Die Scherfestigkeit beschreibt den Widerstand eines Materials gegen Kräfte, die Schichten gegeneinander verschieben. Sie spielt eine Rolle bei Verbindungen, Schraubpunkten und Klebeflächen.

Diese Eigenschaften beschreiben, wie sich ein Kunststoff unter Belastung verändert und ob er in seine ursprüngliche Form zurückkehrt.

Steifigkeit
Die Steifigkeit beschreibt den Widerstand eines Materials gegen Verformung. Ein steifer Kunststoff verändert seine Form nur gering, selbst bei hoher Belastung, und wirkt dadurch sehr formstabil.
Elastisches Verhalten
Elastisches Verhalten bedeutet, dass sich ein Kunststoff unter Belastung verformt, nach Entlastung aber wieder vollständig in seine ursprüngliche Form zurückkehrt. Dieser Bereich ist bei vielen technischen Anwendungen wichtig.
Plastische Verformung
Plastische Verformung tritt auf, wenn ein Kunststoff dauerhaft seine Form verändert, nachdem eine bestimmte Belastungsgrenze überschritten wurde. Diese Verformung ist nicht rückgängig zu machen.
Dehnung
Die Dehnung beschreibt, wie stark sich ein Kunststoff unter Zugbelastung verlängern kann, bevor er versagt. Sie ist ein Maß für die Flexibilität und Duktilität eines Materials.

Diese Eigenschaften beschreiben, wie ein Kunststoff auf plötzliche oder stoßartige Belastungen reagiert.

Schlagzähigkeit
Die Schlagzähigkeit beschreibt die Fähigkeit eines Materials, plötzliche Stöße oder Schläge aufzunehmen, ohne zu brechen. Sie ist besonders wichtig für Gehäuse, Schutzabdeckungen und sicherheitsrelevante Bauteile.
Kerbschlagzähigkeit
Die Kerbschlagzähigkeit ist eine spezielle Form der Schlagzähigkeit und beschreibt das Verhalten an geschwächten Stellen wie Kerben oder Kanten. Sie zeigt, wie empfindlich ein Material gegenüber Materialfehlern ist.
Bruchverhalten
Das Bruchverhalten beschreibt, wie ein Kunststoff versagt – ob er spröde bricht (ohne Verformung) oder zäh versagt (mit deutlicher Verformung vorher). Es ist ein wichtiges Sicherheitskriterium.
Sprödigkeit
Sprödigkeit beschreibt die Neigung eines Materials, ohne vorherige Verformung zu brechen. Spröde Kunststoffe reagieren empfindlicher auf Stoßbelastungen.

Diese Eigenschaften betreffen das Verhalten der Materialoberfläche im Kontakt mit anderen Materialien oder Belastungen.

Härte (Shore/Rockwell)
Die Härte beschreibt den Widerstand der Oberfläche gegen Eindringen, Kratzer oder mechanische Beanspruchung. Sie beeinflusst die Widerstandsfähigkeit gegen Abnutzung und Gebrauchsspuren.
Abriebfestigkeit
Die Abriebfestigkeit beschreibt, wie gut ein Kunststoff mechanischem Verschleiß durch Reibung widersteht. Sie ist besonders wichtig bei bewegten Bauteilen wie Gleitlagern oder Führungen.
Kratzfestigkeit
Die Kratzfestigkeit gibt an, wie gut die Oberfläche gegen sichtbare Beschädigungen durch spitze oder harte Gegenstände geschützt ist.
Reibverhalten
Das Reibverhalten beschreibt, wie stark zwei Materialien aneinander haften oder gleiten. Ein gutes Reibverhalten reduziert Verschleiß und Energieverlust.

Diese Eigenschaften beschreiben, wie sich ein Kunststoff unter dauerhafter Belastung über längere Zeit verhält.

Kriechverhalten
Das Kriechverhalten beschreibt die langsame, dauerhafte Verformung eines Kunststoffs unter konstanter Belastung. Auch bei niedriger Belastung kann sich ein Material über Zeit verformen.
Ermüdungsverhalten
Das Ermüdungsverhalten beschreibt, wie ein Kunststoff auf wiederholte Belastungen reagiert. Mit der Zeit können selbst kleine Belastungen zu Materialversagen führen.
Spannungsrelaxation
Spannungsrelaxation beschreibt die Abnahme der inneren Spannung in einem Material, wenn es über längere Zeit in einer festen Form gehalten wird. Dadurch kann die Haltekraft von Bauteilen abnehmen.

Verarbeitungsverhalten

Das Verarbeitungsverhalten beschreibt, wie sich ein Kunststoff während industrieller Fertigungsprozesse verhält und wie gut er sich formen, verbinden oder mechanisch bearbeiten lässt. Es ist ein entscheidender Faktor für die Herstellung von Bauteilen und beeinflusst Qualität, Wirtschaftlichkeit und Genauigkeit der Produktion.

Die Viskosität beschreibt die Fließfähigkeit eines geschmolzenen Kunststoffs. Sie gibt an, wie leicht oder schwer das Material unter Wärme und Druck fließt. Eine niedrige Viskosität bedeutet, dass der Kunststoff gut fließt und sich leicht in Formen füllen lässt. Eine hohe Viskosität hingegen erfordert höhere Drücke und Temperaturen bei der Verarbeitung.

Die Extrusion ist ein kontinuierliches Herstellungsverfahren, bei dem Kunststoff geschmolzen und durch eine formgebende Öffnung gepresst wird. So entstehen Profile, Rohre, Platten oder Folien mit gleichmäßigem Querschnitt. Das Verfahren eignet sich besonders für lange, durchgängige Produkte in hoher Stückzahl.

Beim Spritzguss wird geschmolzener Kunststoff unter hohem Druck in eine Form eingespritzt und dort abgekühlt. Dieses Verfahren ermöglicht die Herstellung komplexer und präziser Bauteile in großen Stückzahlen. Es ist eines der wichtigsten Verfahren in der Kunststoffindustrie.

Die Zerspanung bezeichnet die mechanische Bearbeitung von Kunststoff durch spanende Verfahren wie Fräsen, Drehen oder Bohren. Sie wird eingesetzt, wenn präzise Einzelteile oder Kleinserien benötigt werden. Kunststoffe lassen sich in der Regel gut zerspanen, wobei Schnittgeschwindigkeit und Werkzeugwahl entscheidend für die Oberflächenqualität sind.

Physikalische Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften beschreiben grundlegende, messbare Materialwerte von Kunststoffen. Sie beeinflussen das Verhalten im Alltag und in technischen Anwendungen und sind oft entscheidend für Auswahl, Verarbeitung und Einsatzbereich eines Werkstoffs.

Die Dichte beschreibt das Verhältnis von Masse zu Volumen eines Kunststoffs. Sie gibt an, wie „schwer“ oder „leicht“ ein Material im Vergleich zu seinem Volumen ist. Kunststoffe mit niedriger Dichte sind besonders leicht und werden häufig in Anwendungen eingesetzt, bei denen Gewicht eine wichtige Rolle spielt. Höhere Dichten deuten meist auf kompaktere und festere Materialien hin.

Die Transparenz beschreibt, wie viel Licht durch einen Kunststoff hindurchgelassen wird. Man unterscheidet zwischen transparenten, transluzenten (lichtdurchlässigen) und opaken (lichtundurchlässigen) Materialien. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig für optische Anwendungen wie Abdeckungen, Sichtfenster oder Verpackungen.

Die Wasseraufnahme beschreibt, wie viel Feuchtigkeit ein Kunststoff aus der Umgebung aufnehmen kann. Dieser Wert beeinflusst die Maßhaltigkeit, Festigkeit und Dimensionsstabilität eines Materials. Kunststoffe mit geringer Wasseraufnahme bleiben auch in feuchter Umgebung formstabil, während Materialien mit höherer Wasseraufnahme sich verändern oder aufquellen können.

Die elektrische Isolationsfähigkeit beschreibt die Fähigkeit eines Kunststoffs, den Stromfluss zu verhindern oder stark zu reduzieren. Viele Kunststoffe sind sehr gute Isolatoren und werden daher häufig in der Elektrotechnik und Elektronik eingesetzt, beispielsweise für Gehäuse, Abdeckungen oder Kabelisolierungen.

Chemische Grundlagen / Aufbau

Die chemischen Grundlagen von Kunststoffen beschreiben den inneren Aufbau und die Entstehung polymerer Werkstoffe. Kunststoffe bestehen aus sehr großen Molekülen (Makromolekülen), die aus vielen sich wiederholenden Einheiten aufgebaut sind. Diese Struktur bestimmt nahezu alle Eigenschaften eines Kunststoffs – von der mechanischen Festigkeit über die Temperaturbeständigkeit bis hin zur Flexibilität und chemischen Widerstandsfähigkeit. Die Basis jedes Kunststoffs ist die sogenannte Polymerchemie, die sich mit der Bildung, Struktur und Veränderung dieser langen Molekülketten beschäftigt.

Die Polymerisation ist der zentrale Prozess zur Herstellung von Kunststoffen. Dabei werden viele kleine, reaktionsfähige Moleküle (Monomere) chemisch miteinander verbunden, sodass lange Molekülketten entstehen. Je nach Verfahren können diese Ketten linear wachsen oder sich zu komplexeren Strukturen verbinden. Auch Mischungen unterschiedlicher Monomere sind möglich, um gezielt bestimmte Eigenschaften wie Festigkeit, Flexibilität oder Temperaturbeständigkeit zu beeinflussen.

Die Molekülstruktur beschreibt die räumliche Anordnung der Polymerketten im Kunststoff. Diese können linear, verzweigt oder unterschiedlich geordnet sein. Ungeordnete Strukturen werden als amorph bezeichnet und führen häufig zu transparenteren und leichter verarbeitbaren Kunststoffen. Teilkristalline Strukturen besitzen dagegen geordnete Bereiche, die für höhere Festigkeit, bessere Chemikalienbeständigkeit und höhere Temperaturstabilität sorgen.

Monomere sind die kleinsten chemischen Bausteine eines Kunststoffs. Sie bestimmen bereits die grundlegenden Eigenschaften des späteren Materials. Erst durch ihre Vielzahl und chemische Verknüpfung entstehen lange Polymerketten, die das eigentliche Grundgerüst des Kunststoffs bilden. Die Struktur der Monomere beeinflusst dabei maßgeblich, ob ein Kunststoff eher hart, flexibel, temperaturbeständig oder chemikalienresistent ist.

Die Vernetzung beschreibt chemische Bindungen zwischen einzelnen Polymerketten, die ein dreidimensionales Netzwerk bilden. Je stärker diese Vernetzung ausgeprägt ist, desto formstabiler und temperaturbeständiger wird der Kunststoff. Stark vernetzte Materialien lassen sich nicht mehr schmelzen oder umformen und sind typisch für Duroplaste. Schwächer vernetzte oder unvernetzte Strukturen hingegen ermöglichen elastisches Verhalten oder thermoplastische Verarbeitbarkeit.